Klimaschutzkonzept: Global denken, lokal handeln – auch in Heckinghausen

Wuppertal hat ein Klimaschutzkonzept: Der Rat hat es beschlossen, am 5. November wurde es der Öffentlichkeit in einer Online-Veranstaltung vorgestellt. Jetzt geht es an die Umsetzung. Dabei ist die Arbeit in den Quartieren wichtig. Miteinander Füreinander durfte als Beispiel über nachhaltige Mobilität im Reallabor Heckinghausen sprechen.

Die Vorstellung des Wuppertaler Klimaschutzkonzepts ist gleichzeitg Ende und Anfang: Ende der Erstellung, Anfang der Umsetzung. „Dabei satteln wir auf ambitionierte Arbeit auf, die in vielen Quartieren schon geleistet wird“, sagte Arno Minas, Dezernent für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Klimaschutz, Bauen und Recht. Nach dem Prinzip „global denken, lokal handeln“ müsse jede*r den bestmöglichen Beitrag vor Ort leisten, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Das Wuppertaler Klimaschutzkonzept besteht aus neun Handlungsfeldern, die in 130 Maßnahmen mit Umsetzungsindikatoren zur Überprüfung des Fortschritts unterteilt sind. Ein Handlungsfeld ist die nachhaltige Mobilität, die unter anderem die Förderung von Rad- und Fußverkehr und die Unterstützung des Verleihs von Fahrrädern und anderen Sharing-Systemen umfasst.

Heckinghausen als Reallabor

Als Reallabor für nachhaltige Mobilität in Heckinghausen hat Manfred Meyers für die Bürgerinitiative Miteinander Füreinander Heckinghausen die aktuellen städtebaulichen Projekte vorgestellt. Die Vision für das Jahr 2030 ist dabei die Neue Mitte Heckinghausen, ein grüner, autofreies und lebenswertes Zentrum rund um den Gaskessel, mit Möglichkeiten für Erholung, Freizeitgestaltung und Austausch. Das Ufer der Wupper wird dazu integriert und die Verkehrsführung so um die Heckinghauser Straße herum verändert, dass sie eine Fußgängerzone mit einladenenden Cafés und Geschäften werden kann.

Auch die nachhaltige Anbindung der Neuen Mitte an angrenzende Stadtteile und die Wuppertaler Zentren ist wichtig. Eine Lösung dafür wäre ein Radwegring, der die bestehenden Trassen durch Premium-Radwege ergänzt. Sie sollten so gestaltet werden, dass Radfahrende dort sicher sind und sich nicht gegenseitig mit dem Autoverkehr in die Quere kommen.

Teil dieser Premium-Radwege wäre auch die Ponte Tintore, eine Rad- und Fußgängerbrücke, die Heckinghausen an die Nordbahntrasse und den Oberbarmer Bahnhof anbindet. Mit dieser Brücke und dem Bleicher-Radweg würden die drei Weltfirmen Johnson&Johnson, 3M und Vorwerk sowie das geplante Circular Valley über eine umweltfreundliche und an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossene Radverbindung verfügen. Ein Entwurf für die Ponte Tintore wurde an der Bergischen Universität Wuppertal von Prof. Bernd Naujoks und seinen Studierenden bereits erstellt und visualisiert.

Aber auch kurzfristigere Projekte für eine nachhaltige Mobilität sind in Planung, zum Beispiel Fahrradspuren für die Heckinghauser Straße, die zunächst ohne bauliche Maßnahmen umgesetzt werden könnten. Auch dazu ist die Bürgerinitiative in Kontakt mit der Bergischen Universität Wuppertal, mit dem Bereich Verkehrsplanung am Lehrstuhl von Prof. Jürgen Gerlach. Mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Dipl.-Ing. Miriam Schwedler haben Studierende eine Verkehrszählung durchgeführt und Vorschläge für eine Umgestaltung erarbeitet.

Für die Projekte gab es auch Lob in der Chat-Funktion der Online-Veranstaltung: „Danke nach Heckinghausen! Das ist ein ganz wesentliches Thema: Wie können Menschen aus den vielen verschiedenen Kulturen, die in unserer Stadt leben, für Nachhaltigkeitsfragen sensibilisiert und begeistert werden. Die Diversität muss unbedingt mit allen Fragen der Nachhaltigkeit verbunden werden.“ In vielen unseren Projekten engagieren sich gleichermaßen alteingesessene Heckinghauser*innen und Neue Nachbarn, zum Beispiel im Projekt zum nachhaltigen Alltag.

Erneuerbare Energie und Klimaanpassung

Neben Miteinander Füreinander Heckinghausen stellten drei weitere Initiativen die Reallabore in ihrem Quartier vor. Pascal Biesenbach sprach für Aufbruch am Arrenberg darüber, wie erneuerbare Energien in ein Quartier mit bestehender Bebauung und viel Altbau integriert werden können. Das Projekt Klimaquartier Arrenberg wurde 2015 gegründet und möchte den Stadtteil bis 2030 klimaneutral machen. Dabei sei es zentral, dass Unternehmen, Wissenschaft und Gesellschaft eng zusammenarbeiten.

Für die Immobilien-Standort-Gemeinschaft Barmen-Werth sprach Thomas Helbig darüber, wie das Klima in durch Wetterereignisse wie Starkregen und Hitze in den vergangenen Jahren in den Fokus der Hauseigentümer gerückt ist. Reparaturarbeiten und Umsatzausfälle haben sie dazu veranlasst, Maßnahmen der Klimaanpassung zu ergreifen. In Planung sind unter anderem ein System zur Ableitung von Regenwasser, helleres Pflaster gegen extreme Hitze, Fassaden- und Dachbegrünungen, um ein „in vielerlei Hinsicht resilientes Barmen zu schaffen“.

In Cronenberg hat sich als Teil des Netzwerks Cronenberg will mehr die Arbeitsgruppe Solar gegründet. Beate Hablitzel erzählte, dass das Ziel war, von 2018 bis 2020 mindestens 18 Photovoltaik-Anlagen in Cronenberg zu realisieren – bis September sind es sogar 30 Anlagen mit über 350KWp geworden. Ein Drittel davon wurden durch Solar-Coaches des Netzwerks begleitet, auch lokale Solarmessen und Infoveranstaltungen haben dazu beigetragen.

Die Rolle der Quartiere

Auf solche und weitere gute Beispiele werde die Stadt bei der Umsetzung des Klimaschutzkonzepts viel Wert legen, sagte Ute Bücker, Fachreferentin im Bereich Klimaschutz bei der Stadt. Bei Kooperationen zwischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft in den Quartieren werde man werde voneinander lernen und sozialverträgliche und nachhaltige Lösungen ausarbeiten.

Arno Minas beendete die Veranstaltung: „Das Engagement macht mich sehr, sehr optimistisch, dass wir das heute skizzierte gemeinsame Aufbrechen in eine klimafreundliche Zukunft in Wuppertal hinbekommen werden.“

Veranstaltung nachträglich anschauen

Die Online-Veranstaltung wurde aufgezeichnet, die Stadt Wuppertal wird sie auf ihrer Internetseite bereitstellen, sodass der Vortrag von Miteinander Füreinander Heckinghausen und die anderen Vorträge auch nachträglich auf der Seite zum Klimaschutzkonzept angeschaut werden können. Dort ist auch das Klimaschutzkonzept in Lang- und Kurzfassung abrufbar.

Die Präsentation zum Vortrag von Miteinander Füreinander Heckinghausen kann hier heruntergeladen werden: