Viele Wünsche und gute Ideen für den Umbau der Heckinghauser Straße

„Die Zukunft kommt nicht auf uns zu – wir gestalten sie“: Das sagte ein Teilnehmer unserer Videokonferenz am 26. Mai. Und für die Neugestaltung der Heckinghauser Straße gab es viele Wünsche und gute Ideen, damit sie in Zukunft nicht mehr den Stadtteil durchtrennt, sondern lebenswert wird. Hier gibt es die Veranstaltung zum Nachlesen.

Um eine Anregung für die Diskussion zu geben, präsentierte Manfred Meyers von Miteinander Füreinander Heckinghausen zu Beginn drei mögliche Konzepte. Das erste beschrieb er als preiswert, aber nicht zufriedenstellend. Dabei werden Radspuren farbig auf der Straße gekennzeichnet, ansonsten bleibt die Aufteilung erhalten. Ein Beispiel ist die Uellendahler Straße. Im zweiten Konzept gibt es baulich getrennte Radspuren, denn eine von zwei Auto-Fahrspuren in beide Richtungen wird zum Parken und Halten genutzt. Und im dritten Konzept gibt es auf der Sonnenseite der Heckinghauser Straße einen Premium-Radweg, einen breiten Fußgängerweg mit Aufenthaltsmöglichkeiten und viel neues Grün an der Straße.

Die Präsentation mit Visualisierungen der Konzepte gibt es hier zum Herunterladen:

Zu den skizzierten Ideen sagte Rainer Widmann, ehemaliger Verkehrsplaner der Stadt: „Die Möglichkeiten müssen noch im Detail herausgearbeitet werden, aber das sind im Prinzip tolle Lösungen, die aus meiner Sicht machbar sind.“ Am Ende müssten professionelle Ingenieurbüros umsetzen, was wir für Heckinghausen auf möglichst breiter Basis gemeinsam wollen.

Die ersten Ergebnisse eines Gutachtens, das die Stadt in Auftrag gegeben hat, unterstützen diese Einschätzung. Externe Planungsbüros schlagen zwei statt vier Fahrspuren für Autos vor. Die endgültigen Daten werden Ende des Jahres vorliegen.

Man dürfe jetzt nicht den Fehler machen, klein zu denken, betonte Rainer Widmann. Wenn jetzt etwas neu gestaltet wird, müsse das aufgrund der Vorgaben von Förderungen für mindestens 20 oder 30 Jahre so bleiben. Deshalb müsse man auch Trends mit einplanen, nicht nur allgemeine Trends der Mobilitätswende, sondern auch lokale Trends wie die geplante neue Gesamtschule. Was bedeutet das für den Verkehr? Es werden Parkplätze benötigt, ebenso öffentlicher Nahverkehr und Radwege.

Radwege

Zum Thema Radwege wurde in der Diskussion von Teilnehmenden gesagt, dass es in Heckinghausen und näherer Umgebung Firmen mit vielen Mitarbeiter:innen gibt, zum Beispiel Vorkwerk, 3M und Johnson & Johnson. Teilweise haben sie selbst schon Mobilitätskonzepte entwickelt und Umfragen in ihrer Belegschaft durchgeführt. Sie wohnt zum Großteil in einem engen Radius um die Standorte, weshalb Interesse an und Potenzial von einem gut ausgebauten Radwegenetz besteht.

Außerdem haben Diskussionsteilnehmende betont, dass Heckinghausen keine Insel-Lösung sein dürfe. Sie berichteten, dass sie regelmäßig mit dem Rad nach Barmen oder Elberfeld fahren. Dafür müsse es einen gute Verbindung auch über Heckinghausen hinaus geben, insbesondere an der Kreuzung Alter Markt und an der B7 müsse sich ebenfalls noch viel verändern.

Um sichere Radwege zu haben, dürften parkende Autos Radfahrer nicht verdecken und den Radweg zum Parken nicht kreuzen müssen. Als Gegenargument für einen Radweg auf einer Seite der Straße wurde genannt, dass dieser Premium-Radweg irgendwo endet und die Straße dann gequert werden muss, was den Aspekten Sicherheit und zügigen Vorankommen entgegenspricht.

Fußgänger:innen

Es gebe viel mehr Fußgänger:innen in Heckinghausen, wenn es angenehmer wäre, dort zu Fuß unterwegs zu sein, hieß es in der Diskussion. Es sei laut, gebe viele Abgase und die Aufenthaltsqualität sei sehr gering. Eine Verbesserung würde dem Handel letztlich gut tun, die Menschen kämen dann lieber in die Geschäfte.

Alles was neu gestaltet wird, muss barrierefrei oder zumindest barrierearm sein, um allen Menschen die Teilhabe im Stadtteil zu ermöglichen.

Ein breiter Weg auf der Sonnenseite und grüne Plätze, die sich zur Wupper öffnen: „Diese Möglichkeit muss doch genutzt werden“, sagte ein Teilnehmer zur Präsentation der Vision.

Straßen und Parkplätze für Autos

Gerade in sozialen Medien werde deutlich, dass viele Menschen um ihre Parkplätze haben, hieß es in einem Redebeitrag. Wenn an einer Stelle Parkplätze weggenommen werden, müsse man deshalb gute Alternativen schaffen. In der Diskussion wurde das Konzept Quartiersparken ins Spiel gebracht. Dafür gebe es in Heckinghausen geeignete, bisher ungenutzte Flächen, beispielsweise an der Widukindstraße.

Für Gastronomie und Einzelhandel könnten für Kunden und Lieferverkehr zeitlich begrenzte Haltebuchten eingerichtet werden. Im Sinne der Parkraumbewirtschaftung wäre es ansonsten möglich, dass Parken vor Geschäften gegebenenfalls nicht kostenlos ist. In den Ergebnissen der Mobilitätsbefragung der Stadt werde deutlich, dass schon jetzt viele Menschen nicht mehr mit dem Auto in die Innenstädte zum Einkaufen fahren, sondern zu Fuß, mit dem Rad oder dem öffentlichen Nahverkehr. In anderen Städten, die Maßnahmen der Verkehrsberuhigung ausprobiert haben, seien die Umsätze rapide nach oben gegangen. Es müsse jedoch auf jeden Fall weiterhin Parkplätze geben, einige Menschen sind darauf angewiesen, beispielsweise mit einer Gehbehinderung.

In Bezug auf Paketdienste könne es sinnvoll sein, ein Lieferkonzept zu entwickeln und Lieferungen zu bündeln, zum Beispiel mit Abholstationen. Auch Mikrodepots wurden angesprochen, von denen aus die letzte Strecke zum Beispiel mit Lastenrädern zugestellt werden könnte.

Öffentlicher Nahverkehr

Die Teilnehmenden waren sich einig: Der öffentliche Nahverkehr wird dringend benötigt, auch in Heckinghausen. Dabei müssten die Busse aber sicher halten können, es dürfe keine waghalsigen Überholmanöver geben. An der Werléstraße als zentraler Umsteigepunkt sei die Benutzung der Haltestelle einfacher und sicherer, wenn sie in Richtung Barmen nicht auf der Mitte der Straße, sondern am Straßenrand läge.

Klimafolgenanpassung

Aktuell wird die Heckinghauser Straße als „Hitze-Insel“ empfunden. Wenn man vom Nordhang heruntergehe, merke man, dass es aufgrund des vielen grauen Asphalts immer wärmer werde. Die heißen Tage werden wahrscheinlich zunehmen. In Bezug auf das Thema Klimafolgenanpassung wurde die Heckinghausen Straße in der Diskussion als Schlüsselstelle bezeichnet. Man könne mit guten Konzepten zur Begrünung und Entwässerung, aber auch zur Kühlung durch Verdunstung von Wasser entgegenwirken.

Beim Thema Begrünung müssen die Versorgungsleitungen beachtet werden, die durch Baumwurzeln beschädigt werden könnten. In der Mitte der Straße verlief früher die Straßenbahn, sodass dort wahrscheinlich weniger Leitungen liegen als am Rand. Ansonsten brauche man kreative Lösungen wie große Kübel, wurde als Idee eingebracht. Auch das Thema Baumpaten mit Spenden und Pflege für einen einen konkreten Baum wurde als gezielte Aktion angesprochen.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir werden die Ideen und Argumente in die Diskussion zur Neugestaltung der Heckinghauser Straße einbringen. Die Stadt führt dazu auch eine Bürgerbeteiligung durch, alle Informationen dazu gibt es im Internet unter www.unser-heckinghausen.de.

Auch die Politik im Stadtteil wird sich intensiv mit der Neugestaltung befassen, verspricht die Bezirksbürgermeisterin Renate Warnecke: „Die Bezirksvertretung wird die Beiträge von heute aufnehmen und natürlich weiter diskutieren.“

Veröffentlicht von Miteinander Füreinander Heckinghausen

Bürgerinitiative für ein tolerantes, lebenswertes, zukunftsorientiertes und nachhaltiges Wuppertal-Heckinghausen